„Wichtige Rolle im Alltag“

(Quelle: Esslinger Zeitung vom 16.05.2011)

… Auf dem Schreibtisch von Nicolas Fink steht eine Gitarre im Miniaturformat. „Das war ein Geschenk meiner Band, damit auch mein Alltag rockt“, erzählt er lachend. Erhalten hat er es nach seiner Wahl zum Bürgermeister von Aichwald vor fast fünf Jahren. Es handele sich um eine originale Nachbildung des Instruments von Slash, dem ehemaligen Gitarristen von Guns N‘ Roses. „Mein Lieblingsgitarrist“, sagt der Verwaltungschef. Er selbst spielt Bass bei der Band Us and Them – schon seit der Gründung 1994.

nici-ezBegonnen hat die musikalische Laufbahn des Bürgermeisters 1992 mit 16 Jahren in der Band Mental Dis­order. Damals wollten ein paar Freunde eine Schülerband gründen und schauten, wer Musik macht, erinnert er sich. Unbesetzt blieb die Position des Bassisten. Nicolas Fink, der zuvor keine Musik gemacht hatte, entschied sich, Bass zu lernen. In die Musikschule ging er nicht, er habe sich „alles selbst beigebracht, mit Unterstützung der Gitarristen“. Das Geld für seine erste Bassgitarre habe er von seiner Schwester geliehen. Der Musik und auch dem Rhythmusinstrument ist er treu geblieben. „Ich hab‘s nie bereut.“ Im Gegenteil, er betrachtet es als „absoluten Glücksfall“, dass vor 19 Jahren ein Bassist benötigt wurde.

Freundschaften pflegen in der Band

Im August 1994 spielte die Kultband Pink Floyd auf dem Hockenheimring. Im Publikum waren auch junge Musiker aus dem Raum Plochingen, die in verschiedenen Bands spielten. Sie entschlossen sich anschließend, künftig gemeinsam Musik zu machen. „Das war die Grundlage für die Band, die es zum Glück heute noch gibt“, sagt Fink. Ihre Band benannten sie nach dem Pink-Floyd-Song „Us and Them“. Aus Schülern und Studenten wurden Berufstätige, die dann mitunter fürs gemeinsame Hobby weniger oder gar keine Zeit mehr haben. So gab es aus beruflichen Gründen es immer wieder Wechsel in der Band. „Aber der harte Kern ist zusammengeblieben.“ Frei gewordene Positionen nahmen Musiker aus der Umfeld von Us and Them ein. Fink: „Das sind alles Freunde.“

Obwohl er als Bürgermeister zeitlich sehr ausgelastet ist, denkt er nicht ans Aufhören. „Das ist einfach der perfekte Ausgleich.“ Die Musik ist für ihn auch ein wichtiges Instrument, um Freundschaften zu pflegen. Einmal pro Woche probt die Band. Der Spaß stehe im Vordergrund. „Das ist ein reines Hobby“, sagt der Bassist. Einer der Höhepunkte war für Fink der Auftritt im Jahr 2008 als Vorgruppe von Manfred Mann im H2O in Reichenbach. Damals war er bereits Bürgermeister. Drei bis vier Auftritte hat Us and Them nach wie vor, wie es sich halt ergibt. „Prinzipiell kann man uns engagieren.“ Weil die Band zur Kulturinitiative Mahlwerk gehört, ist die Plochinger Musiknacht ein Pflichttermin.

Dass der Bassist, vor allem im Vergleich zum Gitarristen, eher im Hintergrund steht, stört Nicolas Fink überhaupt nicht. „Ich steht oft genug im Mittelpunkt“, meint der lachend. Die Bedeutung des Basses werde am deutlichsten, wenn er fehle. Das sei halt das Bassistenschicksal. „Der Bass ist für mich so etwas wie die Grundierung in einem Bild.“ Das Zusammenspiel des Bassisten und des Schlagzeugers bildeten die Basis. Ein wirkliches Vorbild als Bassist habe er nicht. Am meisten beeindruckt ist er von Flea, dem Bassisten der Red Hot Chili Peppers. „Das ist absolut toll, was der auf seinem Instrument so alles macht.“

Eine musikalische Familie

Einen Kontrabass, den großen Bruder des E-Basses, hat Nicolas Fink noch nicht in Händen gehabt. Aber dieses Instrument würde er gerne noch lernen. Das macht er vielleicht später als Pensionär – wenn er dann die nötige Zeit und Muse dafür hat. Er hört gern und viel Musik. Besonders gefällt ihm britische Rockmusik. „Aber die Bands, die ich mag, kennt normalerweise niemand.“ Von den bekannten Gruppen treffen besonders Oasis, Metallica und Guns N’ Roses seinen Musikgeschmack. „Musik spielt schon eine wichtige Rolle auch im Alltag“, gesteht Fink. Seine Leidenschaft führt nicht zu Konflikten zuhause. „Ich habe eine musikalische Familie.“ Sein Frau musiziere nicht selbst, „aber sie kann viel besser singen als ich“. Die beiden Kinder gehen zwar noch nicht zur Schule, aber bereits in die Musikschule.